Trotz vielfältiger medikamentöser Optionen gelten 20 bis 30% der Patienten, die unter Depressionen leiden, als nicht oder unzureichend behandelt – als therapieresistent. Für diese Patientengruppe stellt die Ketamintherapie eine neue Behandlungsmöglichkeit dar. Nach der aktuellen Literatur liegt der Behandlungserfolg bei vortherapierten Patienten bei > 75%.
Wir erklären hier für wen die Therapie in Frage kommt, Wirkmechanismen und Ablauf der Therapie.
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Für die Ketamin-Therapie kommen Patienten in Frage, die als therapieresistent gelten: d. h. Patienten, die mit mindestens zwei Antipressiva sowohl ausreichend in der Dosierung und Anwendungsdauer behandelt wurden, ohne dass sie einen befriedigenden Therapieerfolg erfahren haben.
Ketamin ist keine First-linie-Therapie !
Die Ketamintherapie umfasst primär 6 Infusionen á 45-60 Minuten. Daran schließt sich eine Nachbachtungsphase von 45 Minuten an. Die Infusionen werden dreimal wöchentlich oder zweimal wöchentlich gegeben.
Daran schließt sich die so genannte Erhaltungstherapie an, d.h. der Patient bekommt das Ketamin nasal appliziert, zuerst zweimal wöchentlich, dann einmal wöchentlich und dann alle 2-3 Wochen einmal.
Es ist wichtig zu beachten, dass Patienten nach Ketamingabe nicht verkehrstüchtig sind und von einer Begleitperson aus der Praxis abgeholt werden müssen.
Für Ketamin ist ein anderer Therapie-Mechanismus beschrieben als bei herkömmlichen Antidepressiva, der nicht am Serotonin- oder Noradrenalin-, sondern am Glutamat-System ansetzt. Es wirkt im Gegensatz zu klassischen Antidepressiva schneller, weshalb man es auch ein „Rapid Antidepressant“ genannt wird. Speziell ist, dass es im Hirn die Neuroplastizität, also die Lernfähigkeit, steigert und neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen initiiert.
Außerdem scheint einer der Mechanismen zu sein, dass Ketamin in den Mandelkernen die Impulsdichte herabsetzt, wodurch es zu einer Abnahme negativer Gedanken kommen soll.
Die Ketamintherapie stellt eine neue Möglichkeit der Behandlung therapieresistenter Depressionen dar. Dabei werden sechs Ketamininfusionen á 0,5 mg/kg Körpergewicht über 45 - 60 Minuten intravenös gegeben. Der Patient wird während dieser Zeit am Monitor überwacht (EKG, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Atemfrequenz). Daran schließt sich eine 45 -60 Minuten dauernde Überwachung an, bevor der Patient entlassen wird.
Was ist
Ketamintherapie ?
Manche Patienten haben ausgeprägte Halluzinationen und erleben dies als unangenehm oder beängstigend. Diese Halluzinationen kann man durch 1-2mg Midazolam zusätzlich verhindern/beenden. 10-20 Minuten nach Ende der Infusion sind die Halluzinationen immer abgeklungen. Für Patienten, die sehr ausgeprägte Halluzinationen entwickeln kann man auch Esketamin einsetzen, bei dem die Halluzinationen nicht so ausgeprägt sind.
Selten (<3%) entwickeln Patienten Übelkeit als Nebenwirkung.
Bei einigen Patienten ist auch ein leichter Blutdruckanstieg (bis 30 mmHg) beschrieben
Intravenös gegeben sind die Ketamin Effekte eher etwas intensiver. Bei nasaler Anwendungen wird häufig berichtet, dass der Effekt sanfter anflutet und wieder abklingt.
Das ist individuell unterschiedlich. Wir haben Patienten, die schon nach der ersten Infusion eine deutliche Besserung verspürt haben, das ist aber nicht die Regel. Besteht die Erkrankung erst kurze Zeit, so setzt die Besserung meist gegen Ende der Infusionsbehandlung oder bei Beginn der nasalen Gaben ein. Als Faustregel gilt: Je länger die Erkrankung besteht, desto länger kann es dauern bis Besserung eintritt.
NEIN - bei Psychosen in der Vorgeschichte ist Ketamin kontraindiziert, da es diese verstärken oder erneut hervorrufen kann. Sorry...
Intravenös gegebenes Ketamin flutet schneller an und flutet schneller ab. Die Patienten sind nach intravenös gegebenen Ketamin meist nach ca. 30 Minuten wieder vollständig wach.
Nasal appliziertes Ketamin flutet etwas langsamer und sanfter an und ab. Die Überwachungszeit beträgt 45 bis 60 Minuten.
Egal ob intravenös oder intranasal, Patienten sind nach Ketamin nicht verkehrsfähigund müssen von einer Begleitperson aus der Praxis abgeholt und nach Hause begleitet werden.
Kontraindikationen sind:
- Ein nicht eingestellter/therapierter Hypertonus >160mmHg systolisch
- Ein Phäochromozytom
- Ein erhöhter Augeninnendruck und
- psychische Vorerkrankungen mit wahnhaftem Erleben (Psychosen)
In Studien zur Behandlung von Depressionen ist dies nie aufgetreten, weil die Dosis bei diesen Therapieformen gering ist.
Die Erhaltungstherapie ist erforderlich, da die Ketaminwirkung mit der Zeit nachläßt - circa 50% nach 8 bis 12 Wochen. Das Nachlassen der Wirkung kann man aufhalten, indem man nach der Infusionsperiode (initial 6 Infusionen) anfangs zweimal pro Woche Ketamin intranasal gibt, danach einmal pro Woche und schließlich auf eine Gabe alle zwei bis drei Wochen übergeht.
Nein, die Antidepressiva mit denen Sie vorbehandelt sind werden vor Beginn der Ketamintherapie nicht abgesetzt !
Leider ja - wie bei jeder anderen Therapie von Erkrankungen gibt es auch hierbei Therapieversager.
Die Größenordnung liegt bei circa +/- 25%
Sollte man eine Ketamin-Therapie anstreben ohne vorbehandelt zu sein ?
Ja, es gibt kleine Studien zu bipolarer Depression, die eine gute Wirksamkeit/Sicherheit von Ketamin zeigten.
NEIN - Ketamin ist keine Primär- oder First-line-Therapie sondern als „add-on“ bei therapieresistenten Patienten zu sehen.
Tel. 0151 251 251 11
Prof. Dr. med. E. - R. Kuse
Facharzt für Anästhesiologie
Schmerztherapie
Intensivmedizin
Nofallmedizin
Grundversorgung Suchtmedizin
Haben Sie noch Fragen zur Ketamin-Therapie ?
Ihre Fragen beantworten:
Tel. 0160 724 6 379
Dr. med. S. Wyszomirski
Facharzt für Anästhesiologie
Schmerztherapie
Intensivmedizin
Notfallmedizin
Palliativmedizin
Studien zeigen keine bedeutsamen Geschlechtsunterschiede. Auch war die Wirksamkeit vergleichbar zwischen jungen Erwachsenen (18-65) und älteren Erwachsenen (>65J).
Die sogenannte „Wirkhalbwertszeit“, d.h. die Zeit nach der die Hälfte der Wirkung abgeklungen ist liegt bei circa 8-12 Wochen. Das ist auch der Grund warum eine Erhaltungstherapie erforderlich ist —> siehe Abschnitt Erhaltungstherapie
Ketamintherapie und Schmerztherapie Praxis
Dr. med. Sebastian Wyszomirski & Prof. Dr. med. Ernst-R. Kuse, MBA
Ostpassage 9 - 30853 Langenhagen
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